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Das Heim erster Ordnung – Der ruhende Pol im Leben einer Katze

Hier ist mein Reich, Foto © Silvio-Bu / PIXELIO’

Als Revier oder Territorium bezeichnet man ein Gebiet, in dem die Anwesenheit seines Bewohners die Anwesenheit von gleichgeschlechtlichen Artgenossen oder von artgleichen Konkurrenten ausschließt (= verteidigtes Wohngebiet). Der Mittelpunkt eines jeden Reviers ist das „Heim erster Ordnung“. Das ist der ruhende Pol im Leben jeder Katze, ganz gleich, ob sie Freigang hat, oder als Wohnungskatze gehalten wird.

Bei einer Katze, die im Haus lebt, ist die Wohnung das „Heim erster Ordnung“. Wenn sie die Wohnung mit anderen Katzen teilt, ist der Ruheplatz z. B. ein Korb – den sie dann als ihr ganz persönliches Eigentum betrachtet – das „reduzierte Heim erster Ordnung“. In der Nähe des Heims befindet sich der Essplatz, der konstant sein soll. Auch Katzen mit mehreren Ruheplätzen bestehen auf einem einzigen Essplatz.

Das Revier einer freilaufenden Katze besteht meist aus einem begrenzten Heimgebiet, in dem sie schläft, ruht, und frisst und aus einem Streifgebiet mit regelmäßig besuchten Orten, die durch ein Netz regelmäßig begangener Wege verbunden sind. Männliche und weibliche Katzen verteidigen ihre Reviere und markieren deren Grenzen. In vielen Fällen überlappen sich die Reviere. Das bedeutet, manche Wege, Beobachtungsposten oder Jagdgebiete werden von benachbarten Katzen gemeinsam aber nicht gleichzeitig benutzt. Hierbei folgen die Katzen einem genauen Zeitplan, um Streit zu vermeiden.

Foto © Jule-Bu / PIXELIO’

Vielleicht erklärt sich damit, dass es ein Fehler ist, der Wohnungskatze die ganze Wohnung zu überlassen. Die Wohnungskatze braucht zeitweise verbotene Zonen, die ihr die Reviergrenzen ersetzen. Der Esstisch, ein neues Sofa, die Abstellkammer, das Kinderzimmer oder das Schlafzimmer können tabu sein, wobei es dem Menschen wie auch seiner Katze überlassen ist, wie streng solche Verbote eingehalten werden sollen. Das Schlafzimmer beispielsweise, das tagsüber der Katze verschlossen bleibt, ist nachts ein umso begehrter Aufenthaltsort, eben weil sie sonst nicht hinein darf. Zum Beispiel können Tisch oder Sofa unantastbar sein, wenn der Mensch in der Wohnung ist. Wenn der Mensch die Wohnung verlässt, weiß er sowie nicht, wo die Katze sich aufhält.

Verbote sind notwendig, damit sie übertreten werden können (das dürfte Menschen doch bekannt sein). Wie die Freilandkatze braucht auch die Wohnungskatze manchmal die Herausforderung. Die Katze wird beispielsweise versuchen, die „Reviergrenzen“ zu überschreiten, indem sie vor den Augen ihres Menschen auf das verbotene Sofa oder den Tisch springt und ihn dabei frech anschaut. Kaum etwas ist frustrierender als eine ins Leere laufende unerwiderte Provokation, da geht es den Katzen nicht anders als uns Menschen.

Es wäre also falsch, die Katze einfach gewähren zu lassen. Am wirkungsvollsten ist es, zurückzustarren, und ein scharfes Nein oder Aus auszusprechen oder der Katze sanft ins Gesicht zu blasen. Das entspricht etwa dem Luftstrom, den eine fauchende Katze ausstößt, und hat meist einen drastischen Effekt. Diese Maßnahme sollte man nicht als „Strafe“ einsetzen, sondern nur in „direkten“ Auseinandersetzungen, um die Katze von dem Ort, an dem sie nicht erwünscht ist, zu „vertreiben“.

Tabuzonen lassen sich natürlich nur in einer größeren Wohnung realisieren, ganz besonders bei der Haltung mehrerer Katzen. Katzen, die auf engstem Raum leben und unentwegt mit „Verboten“ drangsaliert werden, werden zu Nervenbündeln, dabei ist Stress- oder Fehlverhalten vorprogrammiert, das dürfte jedem Menschen klar sein, der sich gründlich über die Bedürfnisse und Lebensart der Katze informiert hat.

Und noch etwas, auch wenn ich zum x-ten Mal darauf hinweise: Obwohl häufig als „Wundermittel“ empfohlen, verurteile ich den Einsatz von Blumenspritzen oder Wasserpistolen aufs Schärfste. Es sei denn, der „Katzenfreund“ richtet den Wasserstrahl auf sich selbst, dagegen hätte ich keine Einwände.

Warum ich dagegen bin? Ich kenne keine Katze, die einer anderen Katze mit einem Urinstrahl ins Gesicht spritzt, denn hier geht es ja um artgerechte Haltung. Dieses respektlose Verhalten kommt nur bei Zweibeinern vor.

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2 Kommentare »

  1. Unsere Katzen sorgen schon gegenseitig für Grenzen :)

    Das mit der Wasserpistole sehe ich nicht so eng. Eine unserer Katzen (sie lebt leider nicht mehr), die mich besonders geliebt hat, hat mich mal anmarkiert. Was die Katze kann, das kann ich auch. Wir haben früher ab und zu die Wasserpistole benutzt, um den Katern das Markieren in der Wohnung auszutreiben. Hat mit einer Ausname funtioniert. Inzwischen sind die Kater kastriert, und es gibt damit kaum noch Probleme. Wir haben die Wasserpistole seit Jahren nicht mehr eingesetzt. Zur Zeit haben wir allerdings einen jungen Kater (ein Findelkind), der bald mit dem Markieren anfangen wird. Könnte sein, dass wir die Pistole wieder ausgraben müssen, bis er so weit ist, dass er kastriert werden kann. Vielleicht sorgen aber auch die Anderen dafür, dass er sich benimmt :)

  2. Katzen mit Wasserpistolen abzuwehren ist hinterhältig und gemein. Wer eine Katze nicht kastriert, ist selber Schuld, wenn sie markiert.
    Wenn man schon diese Methode anwendet, darf die Katze gar nicht merken, dass der Halter ihr den Strahl verpasst, sonst ist die Maßnahme wirkungslos! Katzen benehmen sich von Hause aus, es sei denn, der MENSCH lebt ihnen UNARTEN vor!

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