Herzerkrankungen bei Katzen

Herzerkrankungen = Cardiomyopathie bei Katzen – Hypertrophe Cardio – Myopathie = HCM: Hypertrophe Cardiomyopathie ist eine der meist diagnostizierten Erkrankungen des Herzens bei unseren Katzen. (Kittleson u.a.1998 in: Small animal cardiovasculare medicine. S 248, 259)

Cardiomyopathie ist eine der meist diagnostizierten Herzerkrankungen bei Katzen | © Catplus.de

HCM ist auch eine bedeutende Erkrankung beim Menschen, die zu plötzlichem Herztod bei Jugendlichen und jungen Menschen ohne Vorankündigung führt.

Cardiomyopathie

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Der Begriff Cardiomyopathie ist reserviert für eine Erkrankung des Herzmuskels, dessen Ursache unbekannt ist. Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die das Herz mitschädigen, so dass eine Therapie immer die Grundkrankheit erfasst und den sekundär geschädigten Herzmuskel mitbehandelt und stärkt, wie z.B. bei Taurinmangel, Hyperthrophie der Schilddrüse.
Doch unter den Begriff HCM wird eine primäre Cardiomyopathie verstanden, die einhergeht mit einem hypertrophen, nicht dilatierten linken Ventrikel in Abwesenheit von anderen systemischen oder cardialen Abnormitäten, die ein ähnliches Phänomen hervorrufen.

Herzerkrankungen (Cardiomyopathie) bei Katzen sind äußerst komplex

1. Dilatierte Cardiomyopathie = DCM
Aufgrund einer Herzschwäche vergrößern sich die Herzkammern und das geschwächte Herz ist nicht mehr in der Lage den gesamten Körper mit ausreichend Blut zu versorgen. Die Pumpleistung des Herzens ist geschwächt (Systolischer Fehler).

2. Hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) und Restriktive Cardiomyopathie (RCM)
In diesen beiden Fällen ist die linke Herzkammer zu klein, um das Blut aus dem Körperkreislauf zu fassen.
Bei der HCM ist die Kammer zu klein, weil der Herzmuskel zu dick ist.
Bei der RCM ist der Herzmuskel versteift (Fibrose), so dass die Kammer sich nicht mehr normal ausdehnen kann.

Was sind die Folgen dieser Herzfehler?

Anders als bei Hunden, wo sich der Herzfehler durch Husten, Hüsteln bemerkbar macht, sind die Hauptzeichen Mangel an Appetit, Atemlosigkeit (Hecheln nach Belastung: z.B. Treppensteigen, Kratzbaum hoch), Lethargie (Mattigkeit, Interessenslosigkeit). Diese Anzeichen tauchen plötzlich auf, obwohl die Krankheit schon länger unsere Katze zu schaffen macht.

Herzerkrankunken werden immer erst offensichtlich, wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, das Blut in ausreichendem Masse dem gesamten Körper zur Verfügung zu stellen. Da in der Regel die linke Kammer betroffen ist, die die Lunge versorgt, stehen Symptome wie Atemprobleme und Schlappheit im Vordergrund.

Doch können sich auch Embolien (Thromben) entwickeln, da das Blut wegen der schwachen Herzleistung so langsam fließt das es in den Adern verklumpt. In den kleinen Arterien kann es dann zu einer Blockade kommen. In der Regel passiert das hinten, sodass die Hinterbeine und der Schwanz nicht mehr durchblutet werden. Weil es sehr schmerzhaft ist, schreit die Katze und die Beine und der Schwanz fühlen sich kalt an.
Da die Katze nicht mehr laufen kann, glauben die Besitzer häufig, ihr Kätzchen hat einen Unfall gehabt oder Probleme mit dem Bewegungsapparat.

Bluthochdruck ist eine weitere Komplikation bei der Herzerkrankung. Aufgrund des erhöhten Blutdrucks können die kleinen Gefäße im Auge platzen (Blutungen im Augenhintergrund), da diese Gefäße sehr sensibel und zart sind. Deswegen kontrollieren wir in unserer Praxis bei den älteren Katzen zusätzlich zur Blutdruckmessung auch immer den Augenhintergrund in der Allgemeinuntersuchung. Die Katzen haben im akuten Fall erweiterte Pupillen und erscheinen desorientiert.
Das ist ein absoluter Notfall – nichtbehandelt können die Katzen erblinden!
An dieser Stelle sei allerdings bemerkt, dass auch andere Erkrankungen, z.B. Chronische Niereninsuffizienz (CNI), zu diesen Erscheinungen führen können.

Was ist die Ursache?

Leider kann das noch nicht genau definiert werden. Bei der Maine Coon Katze wird die HCM autosomal dominant vererbt, das bedeutet, dass bereits ein betroffenes Allel zu dieser Erkrankung führt. Ist die Katze reinerbig für die Mutation, d.h., besitzt sie zwei betroffene Allele, nimmt die Schwere der Erkrankung zu. Es konnte eine Mutation im MYBPC (cardiac myosin binding protein) – Gen identifiziert werden und auch bereits in Deutschland bei Maine Coon Katzen nachgewiesen werden. Es ist ein großes Forschungsthema in der Katzenmedizin, insbesondere erhofft man sich von den Ergebnissen Fortschritte für die gleiche Erkrankung beim Menschen.

Wie wird die Cardiomyopathie erkannt?

Sie als Besitzer können leider diese Krankheit im Frühstadium überhaupt nicht erkennen. Wir können Ihnen helfen, indem wir bei gefährdeten Rassen (Perser, Maine Coon) und bei älteren Patienten Vorsorgeuntersuchungen durchführen.

Eine Blutuntersuchung, d.h., ein Gentest, ermöglicht bei Maine Coon und Maine Coon Mischlingen mit hoher Sicherheit die Identifikation der Katzen, die Träger der Mutation sind, welche die HCM verursacht. Positiv getestete Katzen werden eine HCM ausbilden, bei negativ getesteten Katzen kann nicht mit vollständiger Sicherheit ausgeschlossen werden, dass weitere bislang unbekannte Mutationen zur HCM führen können.
Dieser DNA-Test ermöglicht somit bei Maine Coon Katzen die Früherkennung der Tiere, die genetisch bedingt eine HCM ausbilden werden, ohne dass bereits krankhafte Veränderungen am Herzen aufgetreten sind.

Für die Diagnose bei allen anderen Katzenrassen und die Verlaufskontrolle einer festgestellten Cardiomyopathie stehen Ihnen in unserer spezialisierten Praxis folgende Hilfsparameter zur Verfügung:

Die definitive Diagnose wird mit dem Ultraschall gestellt: vonnöten ist ein sehr gutes Herzultraschallgerät. Damit kann die Herzwandverdickung auch des doch sehr kleinen Katzenherzens gemessen werden, die Veränderung der Herzbewegungen festgestellt und mit dem Farbdoppler auch der Blutfluss kontrolliert werden und somit können auch Thromben entdeckt werden.

Wie wird die herzkranke Katze behandelt?

Die Behandlung ist abhängig von der Schwere der Erkrankung. Jeder Besitzer muss sich darüber klar sein, dass sich die Erkrankung traurigerweise weiterentwickelt, doch wir können mit den richtigen Medikamenten – und um diese bestimmen zu können ist die ausführliche Diagnostik mit dem Herzultraschall nötig – diesen Prozess deutlich verzögern und vor allen Dingen die akuten Beschwerden, unter denen Ihr Kätzchen ansonsten leiden müsste (Atemnot, Mattigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen u.a.) beheben.

Diese Liste der möglichen Therapien zeigt, dass die Herzbehandlung der Katze nicht in Händen von Laien gehört und auch wir Tierärztinnen uns spezialisiert haben.

Was sind die Chancen Ihrer herzkranken Katze?

Natürlich ist der Erfolg der Therapie immer abhängig vom diagnostizierten Schweregrad der Herzerkrankung. Korrekt und gut eingestellte Katzen bleiben oft über Jahre stabil und führen ein ganz normales Katzenleben weiter. Im allgemeinen haben Katzen mit Embolien eine geringere Chance, doch auch das ist individuell verschieden und abhängig davon, wie gut das Kätzchen auf die Medikamententherapie anspricht.

Wir werden oft gefragt, ob eine Herzdiät nötig ist, so wie wir sie beim Hund empfehlen. Da heutzutage Katzenfutter ausreichend Taurin enthält, ist eine spezielle Diät nicht erforderlich. Wichtig ist, dass die Katze schlank bleibt, sollte sie schon zu dick sein, helfen wir Ihnen natürlich mit einer besonderen Diät, die überflüssigen Pfunde zu verlieren. In manchen Fällen ist aber auch eine salzarme Kost vonnöten.
Ansonsten ist es lebensnotwendig, dass Ihre Katze die Herzmedikamente ihr Leben lang einnimmt! Regelmäßige Nachkontrollen verstehen sich beim kranken Tier von selbst.

© Dr. Margit Rogalla (veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Autorin)
Tierarztpraxis Dr. Rogalla & Dr. Rummel, Nidderau

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